Landwirtschaft

July 18, 2018 | Wirtschaftsbranchen a Lëtzebuerg | Emilie Di Vincenzo

Interview mit Marc Jacobs

Der stellvertretende Leiter des Luxemburgischen Landjugendverbandes (LLJ, Lëtzebuerger Landjugend a Jongbaueren), der für die öffentlichkeitswirksame Aktion „Fro de Bauer“ zuständige Marc Jacobs, informiert allgemein über den Beruf des Landwirtes.

Sie sind der Initiator der Informationskampagne „Fro de Bauer!“. Was soll mit dieser Aktion erreicht werden? Und welche Bilanz ziehen Sie?

Die wörtliche Übersetzung des Slogans lautet „Fragen Sie den Bauern!“. Die Verbraucher/-innen sollen ermuntert werden, die Landwirte nach ihrem Beruf und auch nach deren Erzeugnissen zu fragen. Ausgangspunkt könnte eine einfache Feststellung sein. „Warum sind die durch die landwirtschaftlich genutzten Gebiete führenden Straßen während der Maisernte derart stark verschmutzt?“ Es genügt der Hinweis, dass dies für die Landwirte eine arbeitsreiche Zeit ist und es sich bei den ärgerlichen Verschmutzungen der Fahrbahnen um keine von ihnen verursachte Unachtsamkeit handelt. Es geht ganz allgemein ausgedrückt darum, gesellschaftliche Beziehungen wieder aufzubauen und den Dialog zu fördern. Dafür benutzen wir unterschiedliche Informationskanäle und Träger, bspw. Das Internet und Facebook. Wir organisieren aber auch direkte Kontakte, bspw. Im Rahmen des Events „Der landwirtschaftliche Hof in der Stadt“. Die Resonanz ist sehr positiv. Und wenn es sich nicht um das vorrangige Ziel handelt, so kann diese Aktion mitunter dazu führen, dass landwirtschaftliche Erzeugnisse direkt verkauft werden. Diese kurzen Wege zwischen Verbraucher und Erzeuger werden bedeutsamer entwickeln sich weiter…

Neben den Anpflanzungen, der Tierzucht und dem Einsatz landwirtschaftlicher Maschinen muss man sich auch mit dem „Papierkram“ befassen

Mit welchen Problemen befassen sich die jungen Landwirte?

Wir befassen uns natürlich mit der Thematik der Verkaufspreise und der Börsenkurse, aber dies ist für das Großherzogtum ja kein Spezifikum. Grundsätzlich ist anzumerken, dass dieser Beruf nach wie vor sehr facettenreich ist. Wir arbeiten in der freien Natur - für die Natur. Aber neben den Anpflanzungen, der Tierzucht und dem Einsatz landwirtschaftlicher Maschinen muss man sich auch mit dem „Papierkram“ befassen, man sollte über solide Buchhaltungskenntnisse verfügen, gegebenenfalls sind Maschinen zu steuern und instand zu halten. Nötig ist auch, sich um Umweltbelange zu kümmern und die sich weiterentwickelnde Gesetzgebung im Auge zu behalten. Jeder Arbeitstag unterscheidet sich vom vorherigen.

Sind die Bildungsangebote, insbesondere die des technischen Gymnasiums, in diesem Zusammenhang ausreichend?

Die Bildungsangebote sind qualitativ gut. Als ich noch ein Schüler war, gab es bereits Kurse in den Fächern Wirtschaft, Recht und Informatik. Mir ist bekannt, dass sich der Unterricht weiter verbessert hat, er hat sich weiterentwickelt. Es sei auch erwähnt, dass man sich auf bestimmte Bereiche spezialisieren kann (Tierzucht, Gemüseanbau etc.).

Eine zentrale Frage bleibt noch zu beantworten: Kann man wirklich Landwirt werden, falls man nicht der Sohn oder die Tochter eines Landwirtes ist?

Die Investitionen, die man beim Kauf von Land und Hof zu tätigen hat, sind unverändert beträchtlich hoch, und daraus erklärt sich, dass es für die jüngere Generation einfacher ist, wenn sie den Landwirtschaftsbetrieb weiterführt. Vor allem deshalb, weil die Zahl der mittelgroßen Betriebe zunimmt. Ich erinnere mich jedoch an das Beispiel eines Freundes, der eine Vereinbarung mit einem Landwirt abgeschlossen hat, der gerade in Rente ging und der einen Nachfolger suchte. Der Verkäufer ist ihm bei den Verhandlungen entgegengekommen, denn für ihn war wesentlich, dass seine Tätigkeit fortgesetzt und sein ihm am Herzen liegendes Projekt nicht aufgegeben wird. In den großen Landwirtschaftsbetrieben sind zudem für Arbeitnehmer entsprechende Stellen vorhanden, auch für diejenigen, die über gute Diplome verfügen. Sie können den Eigentümer unterstützen, sich an den wichtigen Entscheidungen beteiligen (Festlegung der Produktion, Zeitplanung etc.) und mittelfristig auch Teilhaber werden. Es ist möglich, in den Landwirtschaftsgenossenschaften, in den Firmen, die mit der landwirtschaftlichen Erzeugung zusammenhängende Dienstleistungen erbringen, Arbeitsplätze zu finden.

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