Dem Handwerk mangelt es an ausreichender Unterstützung

June 29, 2018 | Wirtschaftsbranchen a Lëtzebuerg | Alix Bellac

Es werden dem Handwerk nur geringe Ressourcen zugewiesen, die Karrieremöglichkeiten sind jedoch beträchtlich

Wie im Hinblick auf die Baubrache schon festgestellt wurde, leidet auch das Handwerk an geringer Wertschätzung durch die öffentliche Meinung. Die ist sehr bedauerlich. Das hinsichtlich der Kreativität und Innovation so bedeutende Handwerk verfügt über ein enormes Know-how, das unbedingt weiter vermittelt werden muss, und in einer ganzen Reihe von Tätigkeitsfeldern finden ständige Veränderungen statt.

Christian Reuter, stellvertretender Generalsekretär des Handwerkerverbands, hat sich mit uns über dieses Thema unterhalten. Im luxemburgischen Handwerk werden jährlich zwischen 2.500 und 3.000 zusätzliche Stellen geschaffen. Die Einstellung qualifizierten Personals ist jedoch schwierig, und man greift daher auf Grenzgänger bzw. in Luxemburg wohnendes ausländisches Personal zurück. Auf die im Großherzogtum vermittelte berufliche Basisausbildung wurde wiederholt verächtlich mit dem Finger gezeigt, denn sie sei das „Stiefkind“ des Bildungswesens. Für diesen Bereich stehen nur geringe Ressourcen zur Verfügung; das unverändert schlechte Image – sowohl bezüglich der Gesellschaft als auch der Jugendlichen, denen hier sehr gute beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten offen stehen –wirkt sich auf die Branche deutlich negativ aus. “.

“Man lenkt die Jugendlichen in Richtung des Handwerkes, weil sie im allgemeinen Schulsystem nicht vorangekommen sind. Stattdessen müsste man doch die berufliche Bildung aufgrund ihrer ganz besonderen Qualitäten viel stärker öffentlichkeitswirksam fördern.”

Christian Reuter

Es ist sinnvoll und ratsam, sich über das Beispiel, das Deutschland diesbezüglich bietet, Gedanken zu machen. Dort wird es nicht negativ bewertet, wenn ein Jugendlicher eine Berufsausbildung absolviert, und häufig trifft man Studierende mit einem Bachelor-Abschluss, die ihre Karriere in einem berufsbezogenen Bildungsgang fortsetzen. Dies stellt einen zentralen Punkt dar, denn – wie dies Christian Reuter erneut betont – sobald ein Unternehmen sich gut entwickelt und einen Aufschwung erlebt, bedarf es in zunehmendem Maße hochqualifizierten Personals.

Im Großherzogtum muss daher eine intensive Öffentlichkeitsarbeit zugunsten der handwerklichen Berufe betrieben werden. Denn es muss ja folgendes Problem gelöst werden: Vielen Jugendlichen fehlt die erforderliche Lern- und Arbeits-Motivation, die sich im Sinne der beruflichen Kompetenzen unbedingt aneignen müssten, weil sie aufgrund ihrer Misserfolge im allgemeinen Schulsystem in die berufsbezogenen Bildungsgänge gelenkt wurden, denen bisher jedoch die gesellschaftliche Wertschätzung versagt blieb .

Der Handwerkerverband beschloss daher, sich mit diesem Problem intensiv zu befassen und Kompetenzzentren für Ingenieurwesen und Fertigstellung (Génie technique et parachèvement) einzurichten. Professor Marc Ant, stellvertretender Geschäftsführer dieser Kompetenzzentren für Ingenieurwesen und Fertigstellung betont daher, dass diese seit dem 1. Januar 2016 bestehenden Zentren für bereits etwa vierzig berufliche Tätigkeitsbereiche unterschiedlichste Bildungsmaßnahmen – in Kooperation mit den Verantwortlichen aus Bildungsbereichen und Industrie – anbieten. Die Ausbildungsgänge werden entsprechend den luxemburgischen Qualifikationsanforderungen gegliedert und basieren auf sorgfältig erstellten Untersuchungen hinsichtlich derjenigen Kompetenzen, die für die Weiterentwicklung der Unternehmen und für ihre Arbeitnehmer/-innen unbedingt erworben werden müssen.

Zudem zielt das unter der Leitung der Handwerkskammer stehende Projekt „Hands Up“ darauf, unter Einsatz von konkreten Berichten direkt Beteiligter, Videofilmen und Spielen über das große und vielfältige Angebot an handwerklichen Berufen zu informieren; dabei werden die bekanntesten Tätigkeitsbereiche, aber auch ausgefallenere Bereiche einbezogen. Erinnert sei daran, dass zum Handwerk nicht weniger als 150 Tätigkeitsbereiche gehören. Sofern man begeisterungsfähig ist, stehen dem Bewerber bzw. der Bewerberin sehr interessante berufliche Entwicklungswege offen, und man kann sich auch selbstständig machen.

“Wenn sich Ihr beruflicher Werdegang in einer Bank vollzieht, haben Sie nur geringe Chancen, eines Tages ihre eigene Bank zu eröffnen.”

Christian Reuter

In den Handwerksberufen ist es erlaubt, sich vorzustellen, dass man sein eigenes Unternehmens gründet und man darf sich in einer vielgestaltigen Welt neue Formen der Innovation, der Kommunikation und des Verkaufens vorstellen. Jugendlichen von heute sei gesagt: Sie können ihren morgigen Beruf neu erfinden!

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