An welchen Ort darf ich Sie bringen?

2. August 2018 | Wirtschaftsbranchen in Luxemburg | Emilie Di Vincenzo

Wie man in Luxemburg Taxifahrer wird

Wer im Großherzogtum den Taxifahrerberuf ausüben möchte, für den seit 2016 klare gesetzliche Bestimmungen gelten, muss eine entsprechende Ausbildung absolvieren und über spezifisches Wissen verfügen. Diese Branche, in der etwa 1.000 Personen tätig sind, entwickelt sich konjunkturell nach wie vor positiv. Es erfolgen nach wie vor Personaleinstellungen.

Für das Taxigewerbe im Großherzogtum gelten gesetzliche Bestimmungen, sodass man nicht als Betreiber oder Fahrer tätig werden kann, ohne bestimmte Verwaltungsverfahren klar einzuhalten! Es gibt für die Ausübung dieses Berufs klare Verwaltungsbestimmungen, auch bezüglich der Sicherheit, des Parkens der Fahrzeuge und der Beziehungen mit den Fahrgästen.

Begriffliche Festlegungen

Man kann entweder Angestellter eines Unternehmens sein bzw. Selbstständiger oder auch ein Unternehmen mit mehreren Fahrern leiten. Daher unterscheidet das Gesetz zwischen Fahrern und Betreibern.

Um als Taxifahrer tätig zu werden, legt das Gesetz fest, dass man über „einen vom Ministerium für Nachhaltigkeit und Infrastrukturen (MDD) ausgestellten Taxischein“ verfügen muss. Diesen erhält man, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

Man muss seit zwei Jahren Inhaber eines gültigen Führerscheins sein;

man muss über adäquate Sprachkenntnisse in mindestens drei Verwaltungssprachen des Großherzogtums verfügen (Französisch, Deutsch, Luxemburgisch);

im Vorstrafenregister dürfen keine Eintragungen mit einer disqualifizierenden, rechtskräftigen Verurteilung stehen (d.h. keine Gefängnishaft ab sechs Monaten, wegen Diebstahls, Betrugs, Veruntreuung, vorsätzlicher Körperverletzung, sexuellen Übergriffs und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz);

es ist erforderlich, an einer vom Ministerium organisierten Informations-Sitzung teil zu nehmen.

Man kann entweder Angestellter eines Unternehmens sein bzw. Selbstständiger oder auch ein Unternehmen mit mehreren Fahrern leiten. Daher unterscheidet das Gesetz zwischen Fahrern und Betreibern.

Wer ein Taxi-Unternehmen betreiben will, muss über eine Betriebserlaubnis verfügen, die von der Generaldirektion PME und Unternehmen des Wirtschaftsministeriums ausgestellt wird. Anschließend ist eine gewöhnliche Lizenz für einen Taxibetrieb zu beantragen.

Die Lizenzen stellen eine im Jahr 2016 eingeführte große ‚Revolution’ dar. Bisher wurden diese Lizenzen von den Städte- und Gemeindebehörden vergeben. Nunmehr verwaltet das Ministerium diese, entsprechend geografischen Bereichen: Bereich Zentrum (Luxemburg Stadt), 290; Bereich Süd, 140; Bereich West, 30; Bereich Ost, 25; Bereich Nord, 50; Bereich Nord-Ost, 15. Insgesamt handelt es sich um 550 Lizenzen.

Das Ministerium vergibt zudem pro Jahr ein Kontingent von 20 Lizenzen an abgasfreie Fahrzeuge («Zéro émission»). Dadurch leistet man einen Beitrag zur Erneuerung des Fahrzeugbestandes unter dem Gesichtspunkt von Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

Gesetzlich festgelegt ist jedoch auch, dass die Höchstzahl der Betriebslizenzen von Taxis den Wert von 1,5 Taxi pro tausend Einwohner des Großherzogtums Luxemburg nicht überschreiten darf ».

Festzuhalten ist also:

Jeder Taxifahrer muss über eine spezifische Bescheinigung verfügen. Für jedes Taxi-Fahrzeug gilt eine bestimmte Betriebslizenz (mit Angaben über die Zulassungsnummer bzw. das Fahrgestell). Ein Unternehmen kann mehrere Fahrzeuge, also auch mehrere Lizenzen, besitzen und kann mehrere Fahrer beschäftigen.

Gehälter und Arbeitsbedingungen

Entsprechend der tarifvertraglichen Regelung erhält ein Taxifahrer 36% der Einnahmen aus seinen zurückgelegten Fahrten. Hinzuzurechnen ist das Trinkgeld. Sofern das tatsächliche Monatsgehalt (ohne Trinkgeld) unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns liegt, ist der Mindestlohn zu zahlen.

Die tägliche Arbeitszeit beträgt acht Stunden, wobei die wöchentliche Arbeitszeit höchstens 48 Stunden betragen darf. In der Praxis beträgt die Bandbreite etwa 12 Stunden; (in diesem Zeitraum kann der Taxifahrer seine Arbeit ein oder mehrmals unterbrechen, und dabei sind auch Wartezeiten einzubeziehen).

Ausbildungsgänge

Hinsichtlich der Ausgabe des Taxischeines bietet das zuständige Ministerium zwei Informationssitzungen an (diese dauern zweimal vier Stunden). Sie beinhalten Kurse zur den Taxibetrieb betreffenden aktuellen Gesetzgebung, eine Schulung zu den Themen „Empfang von Fahrgästen“, Beschwerde- und Konfliktmanagement und grundlegende Informationen über Erste-Hilfe.

Im Anschluss an die Validierung der ersten Sitzung wird eine vorläufige Bescheinigung ausgestellt. Am Ende der sechs folgenden Monate wird nach Validierung der zweiten Sitzung die endgültige Bescheinigung überreicht. Das Ministerium stellt übrigens auf der Website infotaxi.lu Informationen zur Verfügung, zur unterstützenden Vorbereitung und im Hinblick auf die Kurse.

Übrigens bietet die Arbeitsagentur (ADEM) eine Ausbildung zum Taxifahrer an; diese ist Arbeitssuchenden vorbehalten. Die Ausbildung erstreckt sich auf drei Wochen; die Kurse finden im Ausbildungszentrum in Esch-sur-Alzette statt. Diese Ausbildung umfasst eine vom Ministerium vorgeschriebene Informationsveranstaltung für Personen, die die Taxifahrerbescheinigung erwerben möchten.

Interview

Der Verantwortliche des wichtigsten Arbeitgeberverbands stellt eindeutig fest: „Es besteht ein Mangel an Taxifahrern“. Nach Ansicht von Olivier Gallé, dem Vorsitzenden des Verbandes der Taxi- und Ambulanz- Unternehmen (der der Handwerkskammer angeschlossen ist), ist die konjunkturelle Lage der Branche gut, es fehlen jedoch Arbeitskräfte. Man muss also über gewisse grundlegende Qualitäten verfügen...

Wie verläuft das Einstellungsverfahren der Unternehmen?

„Wir wünschen, dass die Taxifahrer nicht nur über das gesetzlich Vorgeschriebene, also den von staatlicher Seite ausgestellten Taxischein, verfügen, sondern auch über das luxemburgische Territorium gut informiert sind, insbesondere die einzelnen Stadteile und optimale Streckenführungen. Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass die Taxifahrer den kürzesten Weg zum Ziel wählen, es sei denn, dass ein Kunde eine besondere Route angibt. Hinsichtlich der Sprachbeherrschung gibt es im Allgemeinen keine Probleme.“

Welche Ausbildung erhalten die Taxifahrer?

„In meinem Unternehmen, wie auch andernorts, werden die Bewerber intern ausgebildet und erhalten ein Heft, das sie über den Gebrauch des Fahrpreisanzeigers informiert. Im Laufe der Zeit werden sie dann selbstständiger. Ihre Ausbildung beginnt in den Nachtstunden, denn die Kunden sind dann weniger gestresst, und auf den Straßen ist weniger Verkehr. Das ist sinnvoll, damit man erste Erfahrungen gewinnt. Nach etwa fünfzehn Tagen weiß man dann Bescheid. Man kann entscheiden, ob der Anwärter die Anforderungen an einen guten Taxifahrer erfüllt oder nicht...“

In diesem Beruf hat man es mit den Endkunden zu tun. Ist Kontaktfreudigkeit wichtig?

„Man sollte selbstverständlich zwischenmenschliche Beziehungen mögen, also kontaktfreudig sein. “

“Man muss sich der Stimmung des jeweiligen Fahrgastes anpassen können. Das gehört – wie auch in anderen Dienstleistungsberufen - zu unserem Beruf. ”

Olivier Gallé, dem Vorsitzenden des Verbandes der Taxi- und Ambulanz- Unternehmen

„Ich möchte hinzufügen, dass der Mitarbeiter, auch wenn er fest angestellter Taxifahrer ist, seinen Alltag eigenständig gestaltet. Es liegt an ihm, innerhalb eines Arbeitstages seine Arbeitszeit optimal einzuteilen. Man kann sich wechselweise entscheiden, die von der Taxizentrale vorgeschriebenen Routen zu übernehmen bzw. Fahrgäste an den für Taxis reservierten Parkflächen (beispielsweise am Flughafen) abzuholen. Es sei besonders betont: Es genügt nicht, wenn man den Beruf nur mag und ein Fahrzeug lenken kann.“

Wie verhält es sich mit der Bezahlung?

„Aufgrund der tarifvertraglichen Regelung gehen 36% der Einnahmen an den Taxifahrer im Angestelltenverhältnis. Trinkgelder nicht eingerechnet. In der Praxis kann man, gewisse Erfahrungen vorausgesetzt, mit einem Monatseinkommen von 2.500 bis 3.000 Euro rechnen.“

Und wie wird man selbstständig, also sein eigener Chef?

„Im Anschluss an eine dreijährige Tätigkeit als angestellter Taxifahrer ist es möglich, nach Beantragung eine Lizenz zugeteilt zu bekommen. Die Nachfrage ist in einigen Bereichen (z. B. Luxemburg Stadt) sehr stark. Daher gibt es Wartelisten. In anderen Regionen geht es schneller. Bestimmte Angestellte wechseln den Beruf und werden Privatchauffeur oder Fahrer für Verwaltungsbehörden, Botschaften etc. Es gibt eine erhebliche personelle Fluktuation. Daher wird in diesem Beruf viel Personal eingestellt (*). Man kann im Taxigewerbe von einem Personalmangel sprechen...“

Was lässt sich über die Probleme sagen, die durch Unternehmen, wie Uber, verursacht werden?

„Es gibt Regeln, es gibt ein Gesetz und an dieses muss man sich halten. Wir teilen die Ansichten der Regierung. Es ist nicht akzeptabel, dass Leute auf eigene Rechnung zu sehr niedrigen Tarifen arbeiten, ohne Sozialversicherung, für Plattformen, von denen man nicht weiß, wo sie sich befinden. Es handelt sich um unlauteren Wettbewerb und Schwarzarbeit. Diese Erscheinungen sind überall rückläufig. Und das ist sehr gut so.“

(*) Nach Angaben der Handwerkskammer sind in der Branche etwa tausend Personen beschäftigt (ausgenommen das Verwaltungspersonal). Ein und dasselbe Fahrzeug kann im Rahmen eines einzigen Taxiunternehmens von mehreren Fahrern benutzt werden.

verwandte Stellenangebote
alle verwandte Stellenangebote
verwandte Artikel