Umweltschutzfinanzierung „Green Finance“

19. Juli 2018 | Wirtschaftsbranchen in Luxemburg | Alix Bellac

Karriereentwicklung mit Hoffnungsschimmer

Da sich bezüglich des ökologischen Zustandes unseres Planeten höchst gefährliche Entwicklungen abzeichnen, ist dringend geboten, dass wir unsere Aktivitäten in sämtlichen Bereichen in Richtung Ökologie und Nachhaltigkeit neu ausrichten. Panikmache kann man uns nicht vorwerfen.

Im Rahmen von Markttrends, die durch einen Aufschwung von „Green“ gekennzeichnet sind, ist hinsichtlich des Bewusstseinstandes der luxemburgischen Bevölkerung sicherlich kein Rückstand zu verzeichnen; unsere Jugend wird in immer stärkerem Maße möglich sein, auf ihren Berufswegen diejenigen Entscheidungen zu treffen, die ökologische Fortschritte ermöglichen und die ‚Farbe der Hoffnung‘ tragen.

Unter der Bezeichnung „Green Finance“, d.h. Umweltschutzfinanzierung, fasst man sämtliche Aspekte des Finanzmanagements zusammen, das auf die Förderung der Energiewende und gegen den Klimawandel ausgerichtet ist. Auch wenn der Ausdruck „Green Finance“ noch etwas unscharf ist, so klingt er doch allgemein positiv. Während der UN-Weltklimakonferenz (COP23) in Bonn nahm das Thema der Rolle der Unternehmen im Kampf gegen den Klimawandel in den Diskussionen einen zentralen Raum ein. Parallel dazu befassten sich im Bereich der Politik zahlreiche Meetings mit den Einflussmöglichkeiten der Privatwirtschaft – insbesondere der Finanzindustrie – im Kampf gegen die drohende ökologische Katastrophe.

Das Ziel besteht in der Förderung ökologischer und nachhaltiger Projekte.

Die grüne Plattform

Im Großherzogtum, das über eine sehr bedeutende Finanzindustrie verfügt, wurde für Investoren eine „grüne“ Plattform gegründet. Das Ziel besteht in der Förderung ökologischer und nachhaltiger Projekte. Man ist zugleich bestrebt, die für die Investoren gegebenen Risiken zu minimieren. Während der UN-Weltklimakonferenz in Bonn beteiligte sich die Europäische Investitionsbank an einer neuen Initiative, „Sustainable Stock Exchange Initiative“ genannt, (mit dem Ziel eines fair gestalteten Börsenmarktes).

Zudem ist der aus der Partnerschaft zwischen Regierung und Privatunternehmen entstandene „Climate Finance Accelerator“ zu erwähnen, eine Plattform, die Angebote für junge Investmentfondsmanager, die sich besonders für die „ökologische“ Finanzindustrie interessieren, offeriert.

Im Anschluss an die Schaffung einer Investitionsplattform durch die Regierung und die in Luxemburg ansässige Europäische Investitionsbank (Luxembourg-EIB Climate Finance Platform), die Einrichtung eines grünen Labels durch die Label-Agentur für die Investmentfonds, deren Geschäftsmodell ethisch und nachhaltig orientiert ist (LuxFLAG) und die Einführung der ökologischen Plattform der Börse von Luxemburg (LGX), verfügt Luxemburg nunmehr über Instrumente, um das internationale Ökosystem unter dem Aspekt der Kapitalanlagen zu optimieren und zu unterstützen. Es geht darum, dass in Luxemburg - hinsichtlich der dem Umweltschutz dienenden Kapitalbeschaffung - für die Manager ökologischer Investmentfonds ein geeignetes Umfeld geschaffen wird und diese Bemühungen unterstützt werden.

Der luxemburgische Finanzminister Pierre Gramegna führt dazu aus: „ Wir sind hinter den Vereinigten Staaten von Nordamerika die Welthauptstadt für tausende von Investmentfonds, die Vermögenswerte in Höhe von 4.000 Milliarden verwalten. Wir verfügen also über beträchtliche private Kapitalressourcen, und wir sollten die Akteure dazu bewegen, teilweise in die ökologischen Projekte zu investieren.“

Werner Hoyer, der Präsident der Europäischen Investitionsbank, verdeutlicht diesbezüglich: „Da sich die Bevölkerung der gegenwartsbezogenen Umweltproblematiken bewusst ist, dürfte sich die Bereitschaft verstärken, stärker in ökologische und nachhaltige Projekte zu investieren, besonders im Sinne der Reduzierung des schädlichen Klimawandels. Aus diesem Grunde haben wir vor etwa zehn Jahren die ‘grünen Anleihen’ geschaffen.“

“Und wir sind auch heute noch der größte Emittent ‘grüner Anleihen‘ weltweit; und zwar mit großem Abstand.”

Werner Hoyer, der Präsident der Europäischen Investitionsbank

Daher wird verständlich, dass Luxemburg seine Anstrengungen verdoppelt, um in diesem Bereich seine führende Position beizubehalten.

Die Finanzierung der Initiativen

Das Hauptinstrument der Umweltschutzfinanzierung – das möchten wir betonen – stellen nach wie vor die «Green Bonds» (also die grünen Anleihen) dar. Diese zielen auf die Finanzierung der Projekte im Kampf gegen die Erderwärmung und für eine Energiewende aus Verantwortungsbewusstsein und bei großer Klarheit über die grundsätzliche Bedeutung der Initiativen. Die Investoren können mittels der grünen Investmentfonds solche Unternehmen auswählen, deren Geschäftspraktiken Umweltschutzkriterien entsprechen. Erwähnt sei auch, dass zu den guten luxemburgischen „Schülern“ einige Investmentfonds zählen, bei denen es sich nicht um die unbedeutendsten handelt und die außerdem am Finanzplatz Luxemburg nicht nur für ein hohes Geschäftsvolumen sorgen, sondern die Umweltschutzfinanzierung durch ihre proaktive Herangehensweise bereits umsetzen.

Die von den Finanzindustrien hinsichtlich der Klimastrategie praktizierte Transparenz stellt also ein Konzept dar, das sich deutlich weiterentwickelt. Die „Green Finance“ ist Bestandteil des Nachhaltigen Investments (SRI), das darauf ausgerichtet ist, die rein finanziellen Ziele durch die Aspekte der Einhaltung von Umweltschutzkriterien und der sozialen und Government-Kriterien (ESG) zu ergänzen.

Auch wenn die Umweltschutzfinanzierung deutlichen Rückenwind verspürt, benötigt sie doch einen effizienten und strukturierenden Rahmen. Insbesondere müssen qualifizierende Kriterien eingeführt werden, damit sie ihren Aufschwung fortsetzen und die bewährten Praktiken, die sie unterstützen möchte und empfiehlt, in noch stärkerem Maße umsetzen kann.

Diejenigen Berufe bzw. kompetenten Einrichtungen, die sich an Ökologie und Nachhaltigkeit orientieren, finden vor allem in folgenden Zusammenhängen ein breites Betätigungsfeld: Die Analyse des ökologischen Fußabdrucks, die Festlegung von Umweltschutzkriterien, das Abziehen von Finanzmitteln aus denjenigen Unternehmen, die am meisten Treibhausgase emittieren, - bzw. bei Zugrundelegung der Umweltkriterien - am stärksten die Umwelt belasten, des Weiteren die Implementierung der Klimastrategien, möglichst unter Berücksichtigung der Art von Betriebsführung, die Merkmal der jeweiligen Industriebranche ist. Der bereits erreichte hohe Entwicklungsstand in Privatwirtschaft und öffentlicher Hand ermöglicht, dass dieser Prozess an Dynamik gewinnt. Dennoch gibt es in vielfacher Hinsicht erst ein versuchsweises Herantasten an Lösungen. Man kann davon ausgehen, dass sich im Zuge dieser weltweiten Meinungs- und Bewusstseinsbildung hinsichtlich dieser Fachgebiete zahlreiche weitere Studiengänge entwickeln werden.

„Der Umweltschutzaspekt bildet von nun an die Basis aller unserer Ausbildungsgänge, bei denjenigen, die die Erneuerbaren Energien betreffen, aber auch bei allen Energienutzungen, die Umweltverschmutzung hervorrufen, wie auch bei den fossilen Energien, bei denen man sich außerdem schon jetzt auf rückläufige Ressourcen einstellen muss“, erläutert Hervé Combeau, der Verantwortliche für den Fachbereich Verfahrenstechniken, Energie und Umwelt der Ecole des Mines von Nancy. Er fügt hinzu: „In meinem Fachbereich befassen sich im zweiten Studienjahr fast alle Studierenden mit Projekten, die einen Bezug zum Umweltschutz haben, wie etwa der Installierung von Wasserturbinen im Senegal.“

Dies stellt ein Beispiel unter vielen dar und könnte diejenigen Studierenden, die sich der Problematik am klarsten bewusst sein, anregen, im Studium das „Nützliche mit dem Notwendigen zu verbinden“ und damit Paul Valéry zu widerlegen, der erklärt hatte, dass wir rückwärts in die Zukunft gingen.

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