Qualifizierte Betreuung betagter Menschen

8. August 2018 | Wirtschaftsbranchen in Luxemburg | Emilie di Vincenzo

In den Altenheimen gibt es einen starken Personalbedarf. Über welche Ausbildung muss man verfügen, wenn man in diesem Bereich tätig werden will?

Aufgrund der demografischen Entwicklung gehören die Altersheime zu den Wirtschaftszweigen, die sich rasch entwickeln. In diesem Bereich besteht eine starke Nachfrage. Hier fehlt es nicht an Arbeit. Man sollte sich bewusst sein, dass die Arbeitsbedingungen komplex sind.

Bei den Berufen der Krankenschwester und Pflegekraft, in denen eine erhebliche Nachfrage besteht, gelten klare Zugangsbestimmungen. Wer diesen Beruf ergreifen will, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Erforderlich sind bei der Ausübung dieses Berufs eine hohe organisatorische Kompetenz, auch Fachkenntnisse; ferner sind menschliche Qualitäten sehr wichtig. Die Tätigkeit in einem Altersheim kann recht unterschiedliche Merkmale und Besonderheiten aufweisen, je nach der Größe der Einrichtung. Richten wir unseren Blick also auf einen Wirtschaftszweig, in dem jeder Mitarbeiter ständig seine vielfältige Einsetzbarkeit unter Beweis stellen muss!

In den Altersheimen besteht ein hoher Personalbedarf

Die logischen Folgen der Alterungsprozesse der Bevölkerung

Man zählte im Jahr 2011 in Luxemburg 70 Altersheime. In diesem Zeitraum lebten 5.000 Menschen in diesen Einrichtungen. Diese Zahl hat sich innerhalb von nur zehn Jahren verdoppelt.

Das international feststellbare Altern der Bevölkerung betrifft vor allem hochentwickelte Staaten, in denen die große Mehrheit der Menschen Zugang zu ärztlicher Versorgung besitzt. Daher leben die Menschen in Luxemburg, wie in Europa überhaupt, allgemein länger. Diese verlängerte Lebenserwartung wirkt sich auf die Wirtschaft aus. Es entstehen neue Bedürfnisse, aber auch neue Pathologien. Immer mehr Personen sind von Hilfe abhängig, es treten mehr Herz- und Kreislauferkrankungen auf. Hinzu kommen Schlaganfälle mit schwerwiegenden Folgen und eine zunehmende Zahl neurodegenerativer Erkrankungen. Immer mehr ältere Menschen können kein selbstständiges Leben mehr führen. Dadurch nimmt natürlich die Zahl der Menschen in den Altersheimen zu.

Man zählte im Jahr 2011 in Luxemburg 70 Altersheime. In diesem Zeitraum lebten 5.000 Menschen in diesen Einrichtungen. Diese Zahl hat sich innerhalb von nur zehn Jahren verdoppelt.

Die schwierige Gewinnung neuer Mitarbeiter/-innen

Im Jahr 2015 zählte man im Großherzogtum 7.000 Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen, unter Einbeziehung sämtlicher Einrichtungen (auch der Krankenhäuser). Die Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Altersheime suchen ständig neue Mitarbeiter/-innen, zumal die Zahl derjenigen Personen, die diesen Beruf ergreifen, kaum die Zahl derjenigen ersetzt, die in den Ruhestand gehen.

Vor dem Hintergrund des Problems, Nachfolger zu finden, haben sich einige Einrichtungen entschlossen, grenzüberschreitend Personal anzuwerben. Wer in diesem Beruf einen unbefristeten Arbeitsvertrag haben möchte, muss jedoch in den meisten Fällen Luxemburgisch sprechen. Trotzdem kann man hoffen, einen Arbeitsvertrag angeboten zu bekommen, wenn man sich beispielsweise bei der Unterzeichnung des Arbeitsvertrags verpflichtet, sich anschließend sprachlich weiterzubilden.

Welche Diplome und Qualifikationen sind erforderlich?

Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen und Pflegekräfte sind die zwei wichtigsten Berufe, die für die Einstellung neuen Personals in den Altersheimen von Bedeutung sind. Für beide Berufe gelten klare Anforderungsprofile. Wie Elodie und Sophie, zwei von Jobfinder interviewte Personen, mitteilen, müssen die Gesundheits- und Krankenpfleger in ihrem Arbeitsalltag immer mehr Tätigkeiten von Pflegekräften übernehmen und vielseitig einsetzbar sein.

Gesundheits- und Krankenpfleger/-in in einem Altersheim

Dem Gesundheits- und Krankenpfleger kommt im Leben jedes Patienten eine ganz zentrale Rolle zu, und dieses Fachpersonal muss vielfältige Funktionen übernehmen. Zusammen mit den Ärzten kümmert er bzw. sie sich um die Führung seiner Krankenakte und verabreicht in alleiniger Verantwortung die Medikamente (Ausgabe der Medikamente, Blutabnahmen, patientenspezifische gezielte Pflegemaßnahmen etc.); außerdem sind unter Umständen neue Schüler oder neue Mitarbeiter anzuleiten. Vor dem Hintergrund des Personalmangels beteiligt sich dieses Personal in zahlreichen Einrichtungen zudem an Maßnahmen zur Körperhygiene und zur Nahrungsaufnahme der Altersheimbewohner.

Die Gesundheits- und Krankenpfleger-Ausbildung erstreckt sich über vier Jahre und basiert auf einer berufsbezogenen Ausbildung und einem allgemeinbildenden Unterricht. Der Schüler/bzw. die Schülerin erhält am Ende dieser Laufbahn ein höheres Diplom (BTS) mit dem Vermerk „Gesundheits- und Pflegefachkraft mit Verantwortlichkeit für allgemeine Pflegemaßnahmen“.

Pfleger/-in einem Altersheim

Der Pfleger bzw. die Pflegerin, die die Gesundheits- und Krankenpfleger bei bestimmten Pflegemaßnahmen zeitweilig unterstützen, kümmern sich vor allem um grundlegende, kontinuierliche und alltägliche Aktivitäten der Personen, die kein autonomes Leben mehr führen können;(sie helfen z. B. bei der Nahrungsaufnahme, beim Gehen, bei der Hygiene). Dieses Fachpersonal ist beispielsweise dann gefragt, wenn sich eine Person duschen möchte bzw. wenn Personen bei der Nahrungsaufnahme geholfen werden soll, weil sie nicht mehr in der Lage sind, dieses selbst zu tun.

Wer den Beruf des Pflegers ergreifen möchte, muss nach dem Abschluss der 9. Klasse eine Aufstellung seiner Eingangskompetenzen vorweisen können. Der Schüler bzw. die Schülerin absolviert anschließend eine dreijährige Ausbildung, die einen theoretischen und einen praktischen Teil umfasst. Am Ende dieser Ausbildung erhält er/sie einen beruflichen Eignungsnachweis (DAP) als Pfleger/-in.

Abschließend sei gesagt: Bei der Tätigkeit in einem Altersheim, die in menschlicher Beziehung neue geistige Horizonte erschließen kann, muss man sich auf spezifische Arbeitsabläufe und Organisationsformen einstellen. Es gelten keine üblichen Arbeitszeiten und es kommen vielmehr auch Nachtschichten hinzu. Unsere beiden luxemburgischen Gesundheits- und Kranken-Pflegerinnen betonen zudem, dass sich die Arbeitsbedingungen je nach Einrichtung deutlich voneinander unterscheiden können. Während die eine Interviewpartnerin in einem familiären Rahmen tätig ist (mit etwa zwanzig Pensionären), arbeitet die andere eher „am Fließband“, denn sie ist Mitarbeiterin einer großen Einrichtung, was einen völlig anderen Arbeitsrhythmus bedingt.

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