Physiotherapie

20. Juli 2018 | Wirtschaftsbranchen in Luxemburg | Jeff Wiltzius

Physiotherapeuten helfen nicht nur bei Wirbelsäulenproblemen

Sie helfen sowohl bei einem verstauchten Fuß als auch bei Gelenkproblemen, nach einem Unfall oder bei einer Sportverletzung. Viele Stunden arbeiten sie dafür Tag für Tag.

„Der Beruf des Physiotherapeuten ist ein fordernder, aber auch ein abwechslungsreicher und sehr interessanter“, so Patrick Obertin, Physiotherapeut und Präsident der „Association Luxembourgeoise des Kinésithérapeutes“.

Die Ausbildung

Bereits in der Ausbildung bekommt man einen guten Eindruck über die Vielseitigkeit dieses Berufszweigs. Themen wie die Anatomie des menschlichen Körpers und die Funktionen der Organe werden studiert. Ein Gefühl für die verschiedenen Krankheitsbilder zu bekommen, diese zu erkennen und richtig zu behandeln und die vielen Praxisübungen sind nur einige Bestandteile des Tätigkeitsfelds. Sport ist ein nicht zu vernachlässigender Aspekt: „Man sollte schon körperlich fit sein“, erklärt Obertin. „Meistens arbeitet man länger als acht Stunden pro Tag. Hinzu kommt ebenfalls, dass viele meiner Kollegen am Wochenende ebenfalls bei einem Sportverein mitarbeiten.“

Fünf Jahre dauert das Studium für ein Bac+5 in Belgien, Holland oder Frankreich, wobei es bei letzterem nicht einfach ist, einen Studienplatz zu ergattern. Um einen Platz bei unseren Nachbarn in Belgien zu bekommen, muss man bei einem Auslosungssystem teilnehmen.

Flexibilität und Offenheit

Während bei einem Masseur Entspannung und Wellness im Vordergrund stehen, liegt die Arbeit des Physiotherapeuten eher im Behandeln von Verletzungen oder körperlichen Beschwerden. „Seit Anfang des Jahres bekam unser Berufsstand mehr Rechte, aber auch mehr Verantwortung übertragen. Nun haben wir die Möglichkeit selbst Untersuchungen an Patienten vorzunehmen, sowie selbst zu entscheiden wie und wie oft der Patient behandelt wird. Das fordert einen natürlich, erlaubt einem aber auch neue Freiheiten.“, freut sich der Therapeut.

Dafür werden selbst Behandlungspläne anhand ärztlicher Verordnungen und gegebenenfalls eigener Untersuchungen erstellt. Für etliche Therapiemaßnahmen werden ganz unterschiedliche Hilfsmittel und Geräte eingesetzt, zum Beispiel Gehhilfen, Gymnastikgeräte und Massageöle. Dabei benötigen Physiotherapeuten und Physiotherapeutinnen viel Geduld und Einfühlungsvermögen.

Besonders wichtig dabei ist es, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen und die Patienten zur Mitarbeit zu motivieren. Überhaupt ist es erforderlich ein offener Mensch zu sein, welcher den Patientenkontakt nicht scheut. Aktuell gibt es in Luxemburg ein wenig mehr weibliche Physiotherapeutinnen als männliche Physiotherapeuten, jedoch ist gerade dieser Berufszweig für jeden interessant, der sich mit der modernen Medizin und Sport auskennt, gut erklären kann und sich noch dazu sozial engagieren möchte. Zusätzlich sind die vielfältige Auswahl an besonderen Spezialisierungen und die vielseitigen, persönlichen Einsatzmöglichkeiten weitere gute Gründe sich für diesen Berufszweig an der Universität zu bewerben.

Physiotherapeuten arbeiten hauptsächlich in Krankenhäusern, Vorsorge- und Rehabilitationskliniken, in Facharzt- und physiotherapeutischen Praxen, in Altenheimen, Rehabilitationszentren und in Einrichtungen zur Eingliederung und Pflege von Menschen mit Behinderung. Vorwiegend sind sie in Behandlungsräumen tätig, manchmal auch in Krankenzimmern, Gymnastikräumen oder Schwimmbädern. Es ist also für jeden etwas dabei, ob man persönlich lieber alleine oder im Team arbeiten möchte.

Sektor Luxemburg

Für diesen Berufszweig hat Luxemburg eine große Anziehungskraft. In der Europäischen Union besitzen wir die höchste Dichte an Physiotherapeuten, aktuell arbeiten in etwa 1 300 hier im Großherzogtum. Grund hierfür sind die sehr guten Arbeitskonditionen und die hohe Nachfrage, welche stetig ansteigt. Um sich von den vielen Kolleginnen und Kollegen abzuheben und die berufliche Zukunft zu sichern sind immer wieder Weiterbildungen nötig. Diese werden unter anderem von der „Association Luxembourgeoise des Kinésithérapeutes“ (ALK) in Luxemburg angeboten.

Entwicklung der Patienten

Im Laufe der Zeit änderten sich jedoch auch die Krankheitsbilder. Waren es früher vorwiegend Gelenk- und Gliederschmerzen, sind es heute, dank Smartphone und Tablet, vermehrt Wirbelsäulenprobleme, die behandelt werden müssen. „Schuld daran ist die Net-Evolution. Stundenlanges Telefonieren und Surfen und die damit verbundene, falsche Haltung der Wirbelsäule ist der Grund.“, so Patrick Obertin.

“Dazu kommen einerseits Sportmuffel, die gar keinen, oder andererseits Extremsportler, die zu viel Sport betreiben. Das bringt alles neue Erkrankungen und Behandlungen mit sich.”

Patrick Obertin, Physiotherapeut und Präsident der „Association Luxembourgeoise des Kinésithérapeutes“

Der Beruf des Physiotherapeuten ist bei der heutigen Nach-Unten-Guck-Generation auf jeden Fall ein Job mit sicherer Zukunft. „Wer gerne intellektuell arbeitet, Menschen hilft, eigenständig und sportlich ist, für den bietet dieser Beruf eine große Chance“, schwärmt Obertin „auch wenn es mal abends länger bis zum Feierabend dauern kann.“

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