Nicht nur eine reine Alternativmedizin
Das ganzheitliche manuelle Behandlungskonzept der Osteopathie
Ob Hexenschuss, Blockade, Gelenkproblem, Kopfschmerzen, Sodbrennen, Magensäure oder Verstopfung – der Besuch beim Osteopathen kann helfen, auch bei übermäßigem Weinen von Kindern.
Lange Zeit hatte der Beruf des Osteopathen keine große Akzeptanz, weder in der Allgemeinmedizin noch bei den Patienten, obwohl der Beruf bereits seit Anfang der Neunziger anerkannt war. Dies hat sich in den letzten Jahren jedoch sehr stark geändert:
“Die Menschen haben realisiert, dass die Osteopathie wirklich sinnvoll helfen kann und auch die Akzeptanz in der Politik hat sehr stark zugenommen.”
Jean Bofferding, Osteopathie-Therapeut und Präsident der „Association Luxembourgeoise des Ostéopathes“
Erst mal einen Überblick verschaffen
Ausgehend von der Annahme, dass der Körper selbst in der Lage ist sich zu heilen, verschafft sich der Osteopath zum einen einen Überblick über alle körperlichen Blockaden, und zum anderen bezieht er sich auf die Eigenbewegungen der Gewebe, die einzelnen Körperteile und Organsysteme, sowie deren Zusammenspiel im Körper, die mit der Beschwerde des Patienten zusammenhängen könnten. So sucht er zuerst nach der Ursache und behandelt dann diese durch diverse Muskeltechniken, Dehnungen und Manipulationen.
Eigentlich heilt er nicht, sondern regt den Körper zur Selbstheilung an. „Der Vorteil liegt auf der Hand“, erklärt Jean Bofferding, „die Patienten brauchen hier weit weniger Sitzungen als zum Beispiel bei einem Physiotherapeuten. Bereits nach der ersten Behandlung sollte man eine kleine Verbesserung spüren. Wir versuchen ja nicht nur die Beschwerde zu behandeln, sondern auch die Blockaden und die Bewegungseinschränkungen, die einer Genesung im Wege stehen, zu lösen. Dafür werden weder besondere Geräte, noch Medikamente eingesetzt.“
In diesem Beruf ist Fingerspitzengefühl gefragt
In diesem Beruf sind die Hände des Therapeuten besonders wichtig. Der Osteopath untersucht und behandelt alles manuell und greift auf umfassendes Wissen im Bereich der Neurologie, Pathologie, Anatomie und Physiologie zurück. Deswegen ist ein kleines Fingerfeingefühl schon wichtig. „Von Anfang an hat in der Osteopathieausbildung die praktische Komponente einen großen Anteil“, so der Präsident der Aldo, der „Association Luxembourgeoise des Ostéopathes“. Insgesamt dauert das gesamte Studium ungefähr fünf Jahre, umfasst mehr als 4.500 Unterrichtsstunden und schließt mit einer Diplomarbeit ab.
Heute ist dieses Master-Studium notwendig um als offiziell anerkannter Osteopath D. O. arbeiten zu dürfen. „Dieser Titel stellt somit die einzige Erkennungsmöglichkeit dar, anhand derer Patienten das wirkliche Qualifikationsniveau des von ihnen aufgesuchten Therapeuten ablesen können – und nicht alle Osteopathie-Therapeuten in Luxemburg besitzen diesen“, präzisiert Bofferding, „da muss man leider aufpassen“.
In diesem Beruf sind die Hände des Therapeuten besonders wichtig.
Seit über drei Jahrzehnten in Luxemburg
Für Interessierte gibt es gute Ausbildungsmöglichkeiten unter anderem in der Schweiz oder bei unseren belgischen Nachbarn in Brüssel. Dieser Berufszweig, der in Luxemburg bereits seit mehr als 30 Jahren existiert, wird immer gefragter. „Bis jetzt bekommt der Patient seine Behandlungskosten von der Krankenkasse nicht zurückerstattet, dennoch gehen immer mehr Menschen lieber zur Osteopathie, als sich teure Medikamente verschreiben zu lassen“, so der Therapeut. „Eine Studie von 2016 belegt, dass 43 Prozent der Luxemburger bereits bei einem Osteopath in Behandlung waren. Dies hat der Politik gezeigt wie wichtig unser Berufszweig für die Zukunft ist. Auch in der Europäischen Union sind nun neue Normen von der „Fédération Européenne des Ostéopathes“ ausgearbeitet worden, welche in 27 Ländern vorgestellt wurden. „Bei nur 60 bei der Aldo eingeschriebenen Osteopathen und Osteopathinnen, ist der Markt definitiv noch nicht überfüllt.“
Unabhängig und selbstbestimmend
Ein weiterer Vorteil in diesem Beruf ist die große Unabhängigkeit. Frei zu sein bei der Ursachensuche und der Therapieauswahl und die große Selbstbestimmung, das reizt viele junge Menschen, die diesen Ausbildungszweig wählen. Das bringt aber auch viel Verantwortung mit sich, hat aber auch viele Vorteile. Natürlich ist die Osteopathie streng genommen jedoch keine Alternativ- sondern eine Komplementärmedizin. Sie „komplementiert“ die Medizin, d. h. sie stellt Diagnose- und Behandlungsansätze dar, die in der Lehrmedizin nicht ausgefüllt sind. Deswegen werden auch viele Behandlungen in Absprache mit den Ärzten getroffen. „Der direkte Kontakt mit interessanten Menschen, die erhebliche Unabhängigkeit und das tolle Gefühl wirklich helfen zu können, gibt einem eine große berufliche Zufriedenheit“, schwärmt Jean Bofferding für seinen Berufszweig – und er muss es ja wissen, arbeitet er doch bereits seit 1993 als Osteopathie-Therapeut.
Weitere Infos
www.osteopathie.lu
