Keine klare Geschlechtertrennung
Gynäkologie und Urologie im Vergleich
Der regelmäßige Besuch beim Frauenarzt ist für viele Patientinnen zur Routine geworden. Der „Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe“, so seine offizielle Berufsbezeichnung, ist ein Arzt für geschlechtsspezifische Erkrankungen der Frau im Fachgebiet der Gynäkologie, in dem die Geburtshilfe ein Teilgebiet darstellt.
Frauen suchen ihn im Allgemeinen mit Eintreten der Geschlechtsreife das erste Mal auf und kehren im Laufe ihres gesamten Lebens regelmäßig in seine Praxis zurück: sei es, weil sie an den äußeren oder inneren Geschlechtsorganen erkrankt sind, aus Gründen der Krebsvorsorgeuntersuchung oder weil sie Fragen zu Sexualität und Verhütung haben.
Im Bereich der Geburtshilfe ist der Frauenarzt für die Überwachung von Schwangerschaften sowie für die Vorbereitung, Durchführung und Nachbehandlung von Geburten zuständig. Zu den Aufgaben des Gynäkologen gehören auch die Behandlung von Erkrankungen der weiblichen Brust einschließlich der entsprechenden Vorsorgeuntersuchungen sowie nicht zuletzt die Betreuung von Paaren, die ungewollt kinderlos sind.
Einer für alle
Ebenso wie die Gynäkologie ist auch die Urologie ein Teilgebiet der Medizin. Grob betrachtet könnte man sie als das „männliche Pendant der Frauenheilkunde“ bezeichnen, beschäftigt sie sich doch unter anderem mit den Geschlechtsorganen des Mannes, also den Hoden, Nebenhoden, Samenleitern, Samenbläschen sowie der Prostata.
Da die Urologie aber außerdem die Untersuchung und Behandlung der harnbildenden und harnableitenden Organe umfasst (Niere, Harnblase, Harnleiter und Harnröhre), finden sich auch weibliche Patienten beim Urologen ein, sofern sie mit Erkrankungen der Nieren, der Harnblase oder der Harnröhre zu kämpfen haben. Männliche Patienten wiederum suchen eine gynäkologische Praxis zum Beispiel im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung oder im Falle einer Brustdrüsengewebeerkrankung auf. Tatsächlich betreffen etwa ein Prozent der Brustkrebsfälle in Luxemburg männliche Patienten.
Da die Urologie aber außerdem die Untersuchung und Behandlung der harnbildenden und harnableitenden Organe umfasst (Niere, Harnblase, Harnleiter und Harnröhre), finden sich auch weibliche Patienten beim Urologen ein.
Medizinische Vielfältigkeit
Urologie und Gynäkologie sind Teilgebiete der operativen Medizin. Zu ihrem Spektrum gehören unter anderem laparoskopische Eingriffe (Chirurgie des hinteren Bauchraums, Eierstockzystenentfernung etc.), die Behandlung und Entfernung von Tumoren und Wucherungen, Entfernungen der Harnblase oder der Gebärmutter, die Zerstörung von Nierensteinen oder etwa die Eileiterunterbindung zur Sterilisation.
Urologen und Gynäkologen bedienen sich vielfältiger Untersuchungsmethoden. Wie bei jedem anderen Arzt sollte am Beginn jeder Untersuchung ein ausführliches Gespräch stehen, das es dem Mediziner ermöglicht, ein umfassendes Bild über den Gesundheitszustand seines Patienten zu erlangen. Erst im Anschluss daran erfolgt die körperliche Untersuchung, die den eventuellen Beschwerden und dem Alter des Patienten angepasst ist und bei der Symptome und Krankheitszeichen erhoben werden, die der Erstellung einer umfassenden Diagnose dienlich sind.
Neben der visuellen Begutachtung und der Tastuntersuchung wird in beiden Fachbereichen zur Abbildung der inneren Organe der Ultraschall genutzt. Manchmal werden ergänzend dazu Blasenspiegelungen oder Röntgenuntersuchungen durchgeführt. Wo der Frauenarzt Gewebe- und Zellproben von der Schleimhautoberfläche entnimmt (Abstrich), wertet der Urologe Harn- und Blutproben aus. Pilzinfektionen können durch mikroskopische Untersuchungen erkannt werden.
Die Frauenheilkunde umfasst zudem einen großen Bereich konservativer Behandlungsverfahren (Hormontherapien, Maßnahmen zur Empfängnisverhütung oder, im Gegenteil, zur Behandlung von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch).
Benötigte Kenntnisse
Wie bei jeder anderen Facharztausbildung müssen Urologen und Gynäkologen zunächst das sechsjährige Grundstudium der Medizin absolvieren, bevor sie sich auf ihrem medizinischen Gebiet spezialisieren können. Die fachliche Fortbildung dauert je nach Fachrichtung und Studienland fünf bis sechs Jahre, von denen mehrere Jahre im Stationsdienst abzuleisten sind. Tatsächlich muss bei beiden Berufszweigen die Durchführung einer bestimmten Anzahl von Operationen und Prozeduren nachgewiesen werden, um zur Facharztprüfung zugelassen zu werden.
Nach erfolgter Zulassung und Erhalt der Berechtigung zur Berufsausübung – die in Luxemburg vom Gesundheitsministerium ausgestellt wird – sind in beiden Fachbereichen diverse Zusatzqualifikationen möglich. In der Gynäkologie sind das beispielsweise die Pränatalmedizin, die Senologie (Lehre der weiblichen Brust) oder aber die Urogynäkolgie, die Überschneidungen zur Urologie aufweist und ebenso vom Urologen erworben werden kann. Der Urologe wiederum kann sich etwa in der sogenannten Kinderurologie spezialisieren oder sich zu Themen wie der „laparoskopischen Prostatektomie“ oder der „medikamentösen Tumortherapie“ fortbilden.
