Ins Auge gefasst

24. Juli 2018 | Wirtschaftsbranchen in Luxemburg | Bettina Opretzka

Interessante und komplexe Arbeit mit Patienten jeden Alters

Der Besuch beim Augenarzt sollte für sämtliche Alters- und Gesellschaftsgruppen in regelmäßigen Abständen auf dem Programm stehen, und dies nicht nur bei bereits erkannten Sehfehlern oder bestehenden Schäden in der Augenhöhle, Störungen der Augenmuskeln, Erkrankungen am Augenlid oder an der Tränendrüse.

Wer sich über eine gute Sehschärfe erfreut, kann dennoch unerkannte gesundheitliche Probleme an den Augen haben, die erst mittels einer kompletten Untersuchung, dem sogenannten Screening, erkannt werden. Der rechtzeitige – und regelmäßige – Besuch beim Augenarzt kann vor tragischen Folgen wie der Schwachsichtigkeit (Amblyopie), dem Schielen (Strabismus), der Augenmüdigkeit (Asthenopie) oder gar dem Verlust des Sehvermögens bewahren.

Studieren im Ausland

Bevor ein Facharzt der Augenheilkunde sich als solcher in Luxemburg niederlassen kann, sind mehrere Studienjahre im Ausland nötig, denn der entsprechende Studiengang wird im Großherzogtum leider nicht angeboten. Zunächst wird ein klassisches Medizinstudium absolviert, bevor es an die Weiterbildung zum Facharzt geht. Selbige dauert in der Regel fünf Jahre und erfolgt an Universitätskliniken oder in städtischen Krankenhäusern, teilweise aber auch bei einem bereits niedergelassen Arzt.

Der angehende Augenarzt lernt nun diverse Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zur Erkennung anatomischer und funktioneller Veränderungen des Sehorgans. Auf dem Stundenplan stehen außerdem die Grundsätze der Prävention, der Rehabilitation, der ophthalmologischen Optik sowie plastisch-rekonstruktive Operationen. Schließlich sind noch Spezialisierungen in den Bereichen Laserchirurgie, Laboruntersuchungen oder in der Augenmuskelchirurgie denkbar. Die Augenheilkunde ist ein vielseitiges Fach mit Überschneidungen zur Neurologie und zur Inneren Medizin. Ihre Komplexität erfordern Intelligenz, Sorgfalt, Geduld und Durchhaltevermögen sowie ein großes Interesse am Menschen und seinen Bedürfnissen – und dies sowohl im Studium, als auch bei der späteren Berufsausbildung.

Um in Luxemburg eine Berechtigung zur Berufsausübung zu erhalten, müssen sämtliche im Ausland erworbenen Diplome, sofern sie den hiesigen Anforderungen entsprechen, beim Gesundheitsministerium eingereicht werden. Nach erfolgter Prüfung erteilt oder verwehrt selbiges unter Berufung auf die vom „Collège Médical“ erstellte Beurteilung die Berufszulassung. Zu beachten ist jedoch, dass im Vorfeld eine Zulassungsgebühr zu entrichten ist, deren Höhe sich nach den Qualifikationen und der vom Antragsteller zu führen gewünschten Titel richtet. Und wer seinen Doktortitel tragen möchte, muss beim Ministerium für Hochschulbildung und Forschung einen entsprechenden Antrag stellen.

Der angehende Augenarzt lernt nun diverse Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zur Erkennung anatomischer und funktioneller Veränderungen des Sehorgans.

Eigenständige Berufssparte

Bereits im 2011 vom Gesundheitsministerium veröffentlichten Bericht zur Ärztedemografie in Luxemburg wurde erwähnt, dass immer weniger Augenärzte in den Luxemburger Krankenhäusern angestellt sind: die meisten der etwa 80 im Großherzogtum zugelassenen Augenärzte praktizieren in privaten Praxen. Hinzu kommen einige ausländische Augenärzte, die von ihrer hiesigen Zulassung nur teilweise beziehungsweise sporadisch Gebrauch machen.

Die Augenarztdichte in Luxemburg ist im europäischen Vergleich relativ hoch, sodass Patienten hier bei der Terminvergabe von weit kürzeren Wartezeiten profitieren, als dies beispielsweise in Frankreich, Deutschland oder Belgien der Fall ist. Viele Grenzgänger nutzen diesen Umstand und lassen sich deshalb lieber hier behandeln, als zu Hause monatelang auf einen Termin zu warten.

Wie unterschiedlich die Bereiche sind, mit denen ein Augenarzt sich im Rahmen seines Berufes befasst, und wie vielfältig und altersumgreifend sein Patientenkreis ist, zeigt die nachfolgende Auflistung:

Babys und Kleinkinder sollten dem Augenarzt vorgestellt werden, wenn ihre Eltern Auffälligkeiten im Bereich der Augen, Lidveränderungen, Augenzittern oder Abweichungen von der Sehachse (Schielen) festgestellt haben. Größere Kinder haben vielleicht Schwierigkeiten beim Lesen oder beim Abschreiben von der Tafel. Die Früherkennung von Sehstörungen mittels spezifischer Augenuntersuchungen gehört zu den Aufgaben des Augenarztes ebenso wie deren einfühlsame, geduldige Behandlung.

Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Hornhaut-Verkrümmung (Astigmatismus) sind die geläufigsten Sehfehler. Nicht zuletzt durch die Nutzung von Smartphones und Tablets sowie der für viele Arbeitnehmer alltäglichen Bildschirmarbeit sind immer mehr und auch immer jüngere Menschen davon betroffen. Regelmäßige Kontrollen, die bis zum 21. Lebensjahr am besten alle sechs Monate erfolgen sollten, machen einen Großteil der Arbeit eines Augenarztes aus.

Ab dem 40. Lebensjahr kann die Alterssichtigkeit (Presbyopie) beginnen, und auch die Blendempfindlichkeit nimmt zu. Die genannte Altersgruppe ist zudem anfälliger für Augenkrankheiten, die zum Verlust von Nervenfasern (Glaukom beziehungsweise Grüner Star) oder zur Trübung der Linse führen, dem sogenannten Grauen Star (Katarakt). Während die eher klassischen Sehfehler mit Brillen oder Kontaktlinsen korrigiert werden können, wird der Graue Star durch Operation beseitigt. Zur Erkennung und Behandlung des Grünen Stars wiederum bedarf es umfangreicherer Methoden: von der ersten Glaukom-Vorsorge-Untersuchung über die Sehschärfenbestimmung, der mikroskopischen Untersuchung des Auges, der Augendruckmessung, der Analyse des Augenhintergrunds bis hin zur Erstellung eines Augendruck-Tagesprofils. Glaukom- Behandlungen erfolgen medikamentös oder operativ, und es gilt einmal mehr, dass Früherkennung der erste und wichtigste Schritt zum Erhalt des Sehvermögens ist.

Etwa 80 Prozent aller Diabetiker leiden unter der durch Diabetes mellitus bedingten diabetischen Netzhauterkrankung. Netzhautchirurgisch tätige Augenärzte bieten in Zusammenarbeit mit den anderen Ärzten ihrer Patienten (Haus- bzw. Kinderärzte, Internisten, …) eigens angepasste Behandlungsmethoden an. Bereits bei beginnenden Netzhautschädigungen erweist sich die Laser-Lichtkoagulation (Laser-Therapie) als effizient.

Schließlich finden sich oftmals auch Sportler regelmäßig beim Augenarzt ein. Selbiger betreut schwachsichtige Sportler, befindet über eine eventuelle Sporttauglichkeit, berät bei der Wahl von Sportbrille beziehungsweise Kontaktlinsen und behandelt beim Sport zugeführte Verletzungen und Prellungen.

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