Die Facetten des Apothekers ☤

17. Juli 2018 | Wirtschaftsbranchen in Luxemburg | Bettina Opretzka

Pharmazeut, Biologe, Chemiker, Medikamentenverkäufer oder gar „Pillendreher“

Nicht nur nach dem Arztbesuch führt uns der Weg in eine der etwa 100 Apotheken des Landes. Wer nicht verschreibungspflichtige Medikamente, Homöopathie- und Naturprodukte, Pflegemittel, Vitamin- und Ernährungspräparate benötigt, wendet sich im Allgemeinen ebenfalls an den Apotheker oder die Apothekerin seines Vertrauens. Wie facettenreich der Beruf tatsächlich ist, zeigt der folgende Artikel.

Der Beruf des Apothekers ist ein reglementierter Beruf des Gesundheitswesens, für den je nach Land fünf bis sechs Studienjahre nötig sind. Luxemburger Studenten können sich im benachbarten Ausland beispielsweise nach Brüssel, Lüttich, Louvain-la-Neuve, Namur oder Mons begeben, aber auch in Deutschland, Frankreich, Österreich, in der Schweiz und Großbritannien gibt es natürlich zahlreiche Möglichkeiten.

Nicht ohne die Berufszulassung

Um nach erfolgtem Studium eine Zulassung zur Ausübung seines Berufs in Luxemburg zu erlangen und die berufliche Bezeichnung „Apotheker“ („Pharmacien“/„Apdikter“) tragen zu dürfen, wendet man sich an die „Direction de la Santé – Division de la Pharmacie et des Médicaments“. Das Gesundheitsministerium genehmigt oder verwehrt unter Berufung auf die vom „Collège Médical“ und der oben genannten Division erstellte Beurteilung die Berufszulassung.

Tatsächlich kann der Apotheker disziplinarisch, zivil- und strafrechtlich belangt werden, wenn er bei der Ausübung seines Berufes aufgrund mangelnder Kenntnisse einen Fehler begeht

Schließlich geht es daran zu entscheiden, wo der Apotheker seinen Beruf ausüben möchte. Die meisten der etwa 450 Apotheker im Land arbeiten in einer öffentlichen Apotheke – der sogenannten „Offizin“ –, aber auch Krankenhäuser, Analyselaboratorien für medizinische Untersuchungen, staatliche Institutionen sowie die pharmazeutische Industrie bieten interessante berufliche Möglichkeiten.

Da die geregelte Ausübung und die Eröffnung einer Apotheke erhebliche finanzielle und zeitliche Investitionen erfordern, beginnen viele Offizinapotheker ihre Karriere als Apothekerassistent und somit als Angestellter. Dies entbindet sie jedoch nicht von der professionellen Verantwortung, die jeder Apotheker im Rahmen seines Berufes zu tragen hat.

Tatsächlich kann der Apotheker disziplinarisch, zivil- und strafrechtlich belangt werden, wenn er bei der Ausübung seines Berufes aufgrund mangelnder Kenntnisse einen Fehler begeht. Er ist deshalb auch dazu verpflichtet, sich stets beruflich weiterzubilden sowie an Fachkonferenzen teilzunehmen, wie sie in Luxemburg beispielsweise in der Handelskammer regelmäßig organisiert werden. Wer die Variante des Freiberuflers wählt, hat die Möglichkeit, entweder eine staatliche Apotheke zu übernehmen, oder aber in eine private Konzession zu investieren.

Etwa zwei Drittel der in Luxemburg amtierenden freiberuflichen Apotheker arbeiten in einer staatlichen Apotheke. Damit ihre Bewerbung berücksichtigt wird, müssen sie gewisse Kriterien erfüllen und zum Zeitpunkt ihres Antrags bereits über eine mehrjährige Berufserfahrung verfügen. Beim Kauf einer Privatapotheke entfallen diese Beschränkungen. Hier sind jedoch weit größere finanzielle Mittel erforderlich, und es gibt, im Gegensatz zu den staatlichen Apotheken, keine offizielle Liste privater unbesetzter Apotheken.

Ein gewisses Grundinteresse

Was sind nun die Fragen, die sich jeder Schulabgänger stellen sollte, der mit dem Pharmaziestudium liebäugelt, und welche Begabungen und Interessen sollten bereits im Vorfeld vorhanden sein? Neben den hierzulande nötigen Kenntnissen der deutschen, französischen und luxemburgischen Sprache darf ein gewisses biologisches und chemisches Grundinteresse natürlich nicht fehlen.

Auch wenn der Offizinapotheker heutzutage Medikamente und parapharmazeutische Produkte immer seltener selber zubereitet, muss er bestens über deren chemische und biologische Zusammensetzung informiert sein. Er muss alle Wirkstoffe der Arzneimittel kennen und deren Verträglichkeit für den jeweiligen Patienten prüfen.

Für seine Beratungs- und Verkaufstätigkeit benötigt er zudem vielfältige menschliche Qualitäten wie Freundlichkeit, Kontaktfreudigkeit und Diplomatie, er muss den Umgang mit Menschen mögen und sich für deren gesundheitliche Belange interessieren. Sowohl im Krankenhaus, als auch in der Apotheke steht er in engem Kontakt mit Patienten und Ärzten. Gute Kenntnisse in Buchhaltung sind ebenso vonnöten wie Organisationstalent und die Fähigkeit, vorausschauend zu planen: schließlich ist der Offizinapotheker für die Verwaltung und die stetige Aktualisierung seiner Medikamentenbestände verantwortlich. Aufgrund des in Luxemburg üblichen Drittzahlersystems steht er zudem in ständigem Kontakt mit der nationalen Krankenkasse.

Kenntnisse in der Chemie, der Physik und der Biologie

Der Biopharmazeut wiederum führt in medizinischen Laboratorien Analysen durch, die der Diagnose, der Behandlungsüberwachung und der Krankheitsvorbeugung dienen, während der Pharmazeut in der Forschung tätig ist und für die Pharmaindustrie Medikamente herstellt und kontrolliert. Beide müssen breite Kenntnisse in der Chemie, der Physik und der Biologie (und hier insbesondere in der Genetik, der Botanik und der Zoologie) aufweisen und ein großes Maß an Sorgfalt und Präzision an den Tag legen.

Weitere Infos

www.pharmacie.lu

www.pharmaciens.lu

www.sante.lu

verwandte Stellenangebote
alle verwandte Stellenangebote
verwandte Artikel