Veterinärmedizin

Dr. Doolittle lässt grüßen

Der Veterinär, der Arzt des besten Freundes des Menschen

VON JESSICA HEITZ

Immer mehr Menschen kommen auf den Hund – oder die Katze. Haustiere sind heutzutage nicht mehr aus dem alltäglichen Leben wegzudenken.

Sind Bello und Miezi aber krank, werden sie wie auch die menschlichen Patienten zum Arzt gebracht, nämlich zum Tierarzt. Dass dieser Beruf nicht der einfachste, jedoch einer der interessantesten ist, erklärt Jean Schoos, Fachtierarzt aus Leidenschaft.

„Wer sich zum Tierarzt ausbilden lassen möchte, der muss im Ausland studieren. Die meisten Studenten zieht es in deutschsprachige Länder. Früher war eher Belgien angesagt. Da jedoch unser Nachbarland nach einem eigenen Auslosungssystem funktioniert, ist es schwierig geworden, einen Studienplatz in Belgien zu ergattern.“

Studium und Spezialisierung

Hierzulande wird den jungen Studenten, die sich für die Tierarztausbildung interessieren, leider keine Möglichkeit zum Studium geboten, das sechs Jahre dauert und in zwei Spezialisierungen eingeteilt ist. Der Student hat die Wahl zwischen Nutztieren, das heißt landwirtschaftliche Tiere wie Kühe und Schweine sowie Kleintieren, also Haustiere aller Art wie zum Beispiel, Hund, Katze und Kaninchen. Dazugekommen sind in den letzten Jahren die NAC („nouveaux animaux de compagnie“) wie zum Beispiel Schlangen, Echsen und Spinnen.

„Klar dominieren immer noch Hund und Katze, jedoch gibt es immer mehr Reptilien, die gehalten werden und uns so natürlich in der Tierpraxis einen Besuch abstatten“, so der Tierarzt. „Ich arbeite seit 25 Jahren in der Schweinemedizin und habe vor drei Jahren meinen Fachtierarzt gemacht. Damals war die Spezialisation im Bereich Schweine eine Marktlücke. Heute ist sie weniger gefragt“, so Jean Schoos, Tierarzt und Präsident der „Association des médecins vétérinaires du Grand-Duché de Luxembourg“.

Ursprünglich war die Praxis in Berdorf eine reine Landpraxis, die sich um die landwirtschaftlichen Tiere gekümmert hat. Heute versorgen die angestellten Tierärzte zu 80 Prozent Kleintiere. In Luxemburg wie im Ausland gibt es immer weniger Bauernhöfe, so haben sich in den letzten Jahren die Bedürfnisse der Tierbesitzer geändert. „Heute sind die Haustiere mehr verbreitet als die landwirtschaftlichen Tiere und spielen so eine größere Rolle als vor 30 Jahren. Historisch gesehen ist der Beruf des Tierarztes eine One-Man-Show. Der Beruf wurde vor drei Jahrzehnten eher von Männern ausgeübt, da es galt, Kühe und Pferde zu betreuen, was viel Kraft abverlangt. Heute gibt es mehr weibliche als männliche Tierärzte. Die Lebenseinstellung, aber auch die Evolution der Tierhaltung hat dazu geführt.“

Umschwung der Geschlechter

Nach der One-Man-Show haben sich heute die Tierärzte zu großen Strukturen und Kliniken zusammengeschlossen, sodass jeder eine Schicht übernehmen kann. Da die Mehrzahl an Patienten nur wenige Kilos oder sogar Gramm wiegen, kann diese Arbeit nun auch leichter von Frauen ausgeführt werden und lässt sich gut mit der persönlichen Life-Work-Balance vereinbaren. Dieses Phänomen hat Ende der 70er Jahre begonnen. Heute sind nur noch fünf Prozent der Studenten männlich.

Die Feminisierung des Berufes erklärt sich auch dadurch, dass, statistisch gesehen, Frauen die besseren Noten aufweisen und dass bei ihnen der Beschützerinstinkt ausgeprägter ist. Was die Tierliebe angeht, so kann man keinen Unterschied zwischen Mann und Frau machen. Das Haustier hat heute einen sehr großen affektiven und natürlich auch materiellen Wert, wo früher die Pferde und Kühe des Bauern eher als Arbeitstiere angesehen wurden.

Regelmäßige Weiterbildung

Sich regelmäßig weiterbilden ist ebenfalls wichtig in diesem Beruf. Da sich die Art der Haustiere in den letzten Jahren verändert hat, müssen die Tierärzte ihr Wissen auf dem Laufenden halten und können so vielleicht neue Vorlieben entdecken. Die Terrarienszene ist aktuell sehr beliebt, aber auch in der Vogelwelt werden immer mehr Spezialisten gebraucht. „Als kleines Land haben wir doch viele Spezialisten aufzuweisen“, freut sich Jean Schoos.

Wer Tierarzt werden möchte, der muss so manche Kompetenzen mitbringen wie zum Beispiel eine Vorliebe für die wissenschaftlichen Themen, aber auch viel Empathie und dies nicht nur für die Tiere, sondern auch für ihre Besitzer. Eigentlich kann man den Beruf des Tierarztes mit dem des Kinderarztes vergleichen. Genau wie Hund und Katze kann das Baby nicht erklären, was mit ihm nicht stimmt, und so müssen Tierbesitzer und Arzt zusammen herausfinden, wo das Problem liegt. Wichtig ist aber auch marktwirtschaftliches Denken. „Auch wenn man den Beruf aus Leidenschaft ausübt, so muss man doch Ende des Monats seine Rechnungen bezahlen“, so Schoos.

In Luxemburg gibt es 240 Tierärzte. Pro Jahr kommen zwischen zehn bis 15 Jungärzte hinzu. Die Hälfte der Ärzte kehrt nach Luxemburg zurück und arbeitet hier, die restlichen arbeiten in dem Land, in dem sie ihre Studien abgeschlossen haben. Der Bedarf an Tierärzten hierzulande besteht noch immer. Es handelt sich also um einen Beruf mit Zukunft, der dem Absolventen viele Türen öffnet. Vom Tierarzt in einer Klinik, die Kleintiere pflegt, bis zum Veterinär, der Lebensmittelkontrollen unternimmt – alles ist möglich. Aber auch in der Forschung wird immer wieder nach Zuwachs gesucht. Interessant und abwechslungsreich sind also nur zwei Adjektive, die diesen Beruf charakterisieren.

Weitere Infos

Association des médecins vétérinaires du Grand-Duché de Luxembourg: www.amvl.lu