Der Meisterbrief in Luxemburg

VON CHRISTOPHER ARIMONT

Wenn es auch stimmt, dass Übung den Meister macht, so reicht das Üben allein aber nicht aus um sich in Luxemburg beruflich Meister nennen zu dürfen.

Der Begriff „Meisterbrief“ hört sich leicht altertümlich an. Was völlig normal ist, da er einer anderen Zeit entsprungen ist. Denn Marktzugangsbeschränkungen gab es für das Handwerk schon im Mittelalter. 1897 wurde der Meistertitel wieder eingeführt und ab 1908 von denjenigen verlangt, die Lehrlinge ausbilden wollten. Gleichzeitig schwingt aber eine gewisse Noblesse mit. Ein edler Hauch der dem Ganzen einen besonderen Wert verleiht, der sich dadurch auszeichnet, dass der Meisterbrief konkrete Perspektiven und Möglichkeiten bietet.

Denn es handelt sich hierbei um die höchste Qualifizierung einer handwerklichen Ausbildung. Mit dem Erhalt des Meisterbriefes ist das Recht verbunden, sich beruflich selbst zu etablieren, also sein eigenes Unternehmen zu gründen oder in eigener Leitung zu übernehmen. Der Meister erhält außerdem das Recht, Lehrlinge auszubilden und diese zu ihrem DAP (Diplôme d'aptitude professionnelle) zu begleiten. Ein Titel also, der seinen Namen gut trägt.

Die Ausbildung

„Die Aufgabe der „Chambre des Métiers“ (CDM) in Luxemburg besteht darin, die Qualität der Ausbildung dieser zukünftigen Betriebsinhaber/innen zu sichern und auf einem konstant hohen Niveau zu halten, beziehungsweise sie den Anforderungen der heutigen Zeit anzupassen und zu verbessern“, erklärt Marc Bissen, Hauptverantwortlicher „Brevet de Maîtrise“, CDM. „Denn mit der Zeit hat sich die Struktur der Betriebe verändert. Sie sind oft größer als früher, was zu Unterteilungen führt und eine Verschiebung der einzelnen Verantwortungen mit sich bringt.“

Die Ausbildung dieser Meister besteht aus zwei großen Teilen: Betriebswirtschaft und Angewandte Pädagogik auf der einen Seite sowie fachspezifische Kompetenzen auf der anderen. Die Meisterkurse finden dabei im Herbst und Frühjahr und in der Regel die Prüfungsperiode ab April statt. Ein Meisterbrief erfordert eine gewisse Ausdauer, da die Unterrichte abends und an den Wochenenden stattfinden – die Kandidaten sind größtenteils bereits berufstätig.

Zugänglichkeit

„Der Zugang zum Meisterbrief wird über die Diplome geregelt, das Minimum liegt beim DAP. Eventuelle Freistellungen sind für Kurse möglich, jedoch nicht für Prüfungen“, so Bissen. „Die Ausbildung dauert im Allgemeinen drei Jahre. Durch die Freistellungen kann diese Periode jedoch verkürzt werden. Die Kurse finden unter anderem im Ausbildungszentrum der CDM statt, der Großteil spielt sich jedoch in den verschiedenen technischen Lycées sowie im Centre National de Formation Professionnelle Continue (CNFPC) ab, um der wachsenden Anfrage gerecht zu werden. Außerdem können wir aufgrund dieser Verteilung über das ganze Land den Anfahrtsweg für jeden so kurz und einfach wie möglich gestalten. 2016 hatten wir beispielsweise 725 Kandidaten, die in 66 Klassen aufgeteilt und von 110 Kursleitern begleitet wurden. Eine sehr gute Bilanz.

Außerdem besteht eine große Anfrage nach Unterricht auf luxemburgisch/deutsch und französisch, zumindest in der Fachtheorie. In der Betriebsverwaltung besteht diese Zweisprachigkeit jedoch schon seit längerem: Alles in Bezug auf Rechtslehre, Buchhaltung, Betriebswirtschaftslehre, Existenzgründung und Angewandte Pädagogik. Wobei die beiden letzten von einer Freistellung ausgenommen sind. Die Prüfungen selbst sind vor allem theoriebezogen, die Abschlussprüfung ist jedoch größtenteils praktisch ausgerichtet. Daher müssen Kandidaten mindestens ein Jahr Berufserfahrung vorweisen, um zum praktischen Schlussexamen zugelassen zu werden. Unsere Kurse sind sehr komplett, sie ersetzen aber in keinem Fall die berufliche Erfahrung. So manches Wissen kann man nur auf diesem Weg erlangen.“

Damit jeder sich optimal in die komplexe Materie einarbeiten kann, gibt sich die CDM besondere Mühe bei der Ausarbeitung und Präsentation ihrer Unterrichte. „Da die Kandidaten beruflich aktiv sind, ist es wichtig, ihnen so spät am Tag oder am Wochenende die Unterrichte noch schmackhaft und attraktiv zu machen. Wir arbeiten deshalb permanent an unserem Unterrichtsmaterial, sowohl inhaltlich als auch pädagogisch und visuell. Ein komplexes Thema, verpackt in einem langweiligen Format, weckt auf Dauer nur schwer Interesse.“

Gute Zukunftsperspektiven

Die Ausbildung zum Meister liefert den Kandidaten das nötige Gepäck, um ihr Unternehmen zu gründen und dieses auf Dauer erfolgreich zu leiten. Auch Kandidaten welche nicht unbedingt die Selbstständigkeit anstreben, besitzen das nötige Fachwissen um in einem Unternehmen erfolgreich eine Führungsrolle zu übernehmen. „Zahlen der ADEM belegen, dass es keine Langzeitarbeitslosen in Luxemburg mit einem Meisterbrief gibt. Das ist sehr beruhigend und zeigt erneut den Wert dieser Ausbildung. Meister im Handwerk sind immer gefragt, da ihre Ausbildung ein Garant für qualitative Arbeit ist“, bestätigt Marc Bissen.

Erfahrene Kursleiter

„Um dieses Niveau aufrecht zu erhalten, sind wir permanent auf der Suche nach qualitativ hochwertigen Kursleitern. Es ist ziemlich einfach Spezialisten für die einzelnen Bereiche zu finden. Die beste Fachkenntnis hat aber wenig Nutzen, wenn sie nur schlecht übermittelt werden kann. Deshalb müssen diese Fachspezialisten unabdingbar eine pädagogische Ader besitzen. Natürlich bereiten wir potenzielle Kursleiter auf die Unterrichte vor. Sie müssen selbst eine pädagogische und didaktische Basisausbildung durchlaufen. Wir stehen ihnen in jeder Etappe zur Seite, um ihnen die Sicherheit einer guten Vorbereitung zu garantieren. So wird zum Beispiel jedes neue Lehrbuch für die angehenden Meister/innen von einem Trainerleitfaden für ihre Ausbilder begleitet, damit die Kohärenz der gesamte Ausbildung garantiert ist.“

Der Weg zur Exzellenz

Die diesjährige Einschreibungsperiode zur Meisterbriefausbildung beginnt am 15. Juni und läuft bis zum 15. August. Als Neuerung diesen Jahres können angehende Meister sich nur über Internet (brevet.cdm.lu) einschreiben. Es besteht jedoch die Möglichkeit sich in der „Chambre des Métiers“ direkt einzuschreiben. Das Personal der CDM steht den Kanditat(inn)en in jedem Fall gerne beratend zur Seite.

Weitere Informationen über die Ausbildung sind unter brevet.cdm.lu, unter der Nummer 00352 42 67 67 540 oder während den Informationsveranstaltungen am 10. und 12. Juli erhältlich.