Berufsausbildung im Allgemeinen

Entwicklung der professionellen Ausbildung in Luxemburg

VON CHRISTOPHER ARIMONT

Die Geschichte der beruflichen Bildung in Luxemburg (formation professionnelle) ist eng mit der Geschichte der Berufskammern verbunden.

Zu den großen Missionen der Kammern gehört unter anderem die Organisation und Verwaltung der beruflichen Bildung im Land. Dadurch war es ihnen möglich sowohl den Nachwuchs als auch den Fortbestand des Handwerks zu sichern

„Eine weitere Hauptmission besteht darin, zu jedem Gesetzesprojekt unser Gutachten abzugeben und so diese Projekte aktiv mitzugestalten“, berichtet Daniel Schroeder, Direktionsrat der Chambre des Métiers. „Nicht nur solche, die die Kammern und ihre Berufe direkt betreffen, sondern auch zu allgemeinen und gesellschaftspolitischen Themen wie Mobilität oder Nationalität. Dies jedoch selbstverständlich immer aus der Sichtweise des Handwerks und seiner Betriebe im Großherzogtum. Diese Mitarbeit überprüft Auswirkungen solcher Projekte auf die einzelnen Sektoren und ihre Akteure (Betriebe, Unternehmer, Mitarbeiter und Lehrlinge) und garantiert ihnen damit einen maximalen Nutzen aber auch ein gewisses Maß an Sicherheit.“

Zeitgemäße Reformen

Im Oktober 1945 wurde ein Berufsbildungsgesetz aufgestellt, welches bis 2008 – vereinzelt sogar bis 2012 – in Kraft blieb. Die Regierung von 1974 hat die Berufsausbildung dann in die Hände des Erziehungsministeriums gelegt. 1990 wurde das Gesetz über die technische Sekundarstufe geschrieben, welche eine Reihe neuer Elemente einführte, so auch zum Beispiel die spezifische Lehre für Erwachsene (Modifiziertes Gesetz von 1990 über die Einführung der Erwachsenenlehre – apprentissage adulte).

„Alle Gesetzestexte in diesem Bereich haben immer eine direkte Auswirkung auf die Berufsausbildung. So auch und vor allem die Neuordnung der beruflichen Bildung von 2008“, so Schroeder. Unter anderem wurde „Das Prinzip der Partnerschaft“ zwischen der „Chambre des Salariés“, der „Chambre des Métiers“ und dem „Ministère de l'Education“ festgelegt. Diese drei Organisationen fungieren als Träger der beruflichen Bildung in Luxemburg und arbeiten sehr eng zusammen.

Des Weiteren wurde das alte Fächersystem abgeschafft, der Unterricht modular organisiert und eine kompetenzorientierte Bewertung eingeführt. Dies ist in einer Zeit geschehen, in der sich die Ansicht der Europäischen Union in Bezug auf die Berufsausbildung geändert hat. Man hat beschlossen, die Ausbildungen nach den erlangten, konkreten Fähigkeiten zu bewerten und nicht nur dem Wissen. Dies immer mit dem Ziel der beruflichen Vermittelbarkeit der Auszubildenden. Wir reden hier im Luxemburger Handwerk von dem 70/90-Prinzip: 90 Prozent der Auszubildenden finden nach ihrer bestandenen Ausbildung eine Arbeitsstelle. 70 Prozent sogar in dem Betrieb, der sie ausgebildet hat. Auf europäischer Ebene sind wir somit sehr stark, was ein sehr guter Punkt ist.“

Das Gesetz von 2008 hat auch zu einer Abschaffung der klassischen Abschlussexamen beigetragen. Diese wurden durch integrierte Projekte ersetzt: Das integrierte Zwischenprojekt (PII – Projet Intégré Intermédiaire) und das integrierte Abschlussprojekt (PIF – Projet Intégré Final). In diesen Projekten werden Theorie und Praxis ineinander verwoben. So müssen die Kandidaten selbstständig Projekte durchlesen, sie verstehen, planen, ausführen und schließlich beurteilen.

„Wir als Berufskammer stehen hinter diesem Prinzip, da wir uns für die Unternehmen und ihre Auszubildenden verantwortlich fühlen. Wir möchten, dass jeder Kandidat und jede Kandidatin eine bestmögliche und der Zeit angepasste Ausbildung erhält. Gleichzeitig wollen wir den verschiedenen Unternehmen die Möglichkeit bieten, gut ausgebildetes Personal einzustellen. Und unsere aktuellen Zahlen bestätigen uns in unserer Vorgehensweise.

Wir sehen uns jedes Thema genau an, analysieren es noch genauer, bilden uns daraufhin unsere Meinung und beziehen anschließend Stellung dazu. Dabei kann es vorkommen, dass wir unterschiedlicher Meinung mit dem Bildungsministerium sind. Aber so entwickeln sich die Dinge. Man diskutiert und findet gemeinsam Lösungen, verliert dabei aber vor allem niemals das Wohl des Handwerks, seiner Betriebe und Mitarbeiter sowie der Auszubildenden aus dem Augenwinkel.“

Weitere Infos

Chambre des Métiers:

2, Circuit de la Foire Internationale L-1347 Luxembourg-Kirchberg

Tel.: 42 67 67 | www.cdm.lu | contact@cdm.lu