Hotellerie

Mehrsprachigkeit und Fortbildung

In der Hotellerie gibt es gute Job-Möglichkeiten – besonders für gut ausgebildete Fachkräfte

VON CLAUDE FRANÇOIS

„Im Hotelgewerbe werden mehr Arbeitskräfte gesucht als gefunden“, bestätigte der Generalsekretär der Horesca, François Koepp, im ersten Teil unserer mehrteiligen Serie über die Job-Möglichkeiten im HoReCa-Sektor.

Der Mangel an Luxemburger Facharbeitern trifft auch auf das Hotel-Management zu. „Das gilt für Abteilungen wie Management, Sales und Marketing“, erklärt Koepp. Viele Posten können nicht mit Luxemburgern besetzt werden, weil es zu wenig Interesse gibt; deshalb muss oft auf Fachkräfte aus dem Ausland zurückgegriffen werden.

Fachleute werden gesucht

„Die Hotels versuchen Luxemburger mit der notwendigen Ausbildung zu finden“, fährt Koepp fort, „und einige sind ausgebildete Hoteltechniker, zum Teil mit Masterabschluss und einiger Erfahrung.“ Solche Leute finden einen Job. Die Branche ist auch Fluktuationen ausgesetzt, so kann es sein, dass aktuell nur wenige solcher Fachkräfte benötigt werden und im nächsten Jahr vielleicht ein Dutzend. Nicht selten bleiben solche Leute in den großen Hotelketten und durchlaufen die internen Akademien, um sich fortzubilden und die nötigen Qualifikationen zu erreichen.

Auch im Bereich Management sind die Aussichten gut, „es muss immer einen Orchesterchef geben.“ Das gilt auch für den Sales-Bereich, „aber im Channel Management könnten in Zukunft weniger Stellen benötigt werden“, befürchtet François Koepp. Diese Leute beschäftigen sich hauptsächlich mit der Preisgestaltung, sie vergleichen ständig den Markt und das Konkurrenzangebot, und oft ändern die Preise mehrmals am Tag: „Möglicherweise wird die Digitalisierung einen guten Teil dieser Arbeit übernehmen.“
Ein Job am Empfang verlangt eine gute Ausbildung. Koepp rät jedem, der sich für einen solchen Job interessiert, sein Studium zum Beispiel im Lycée Technique Alexis Heck in Diekirch, zu absolvieren. „Man muss verstehen lernen, was die Kunden möchten, denn je nach Herkunft können eigenartige Wünsche ausgedrückt werden.“

Auf allen Ebenen

Dabei spielt die Mehrsprachigkeit eine übergeordnete Rolle. Das gilt für den Empfang und den Check-in, und im Back-Office wie zum Beispiel in der Sales-Abteilung. Nicht wenige Mitarbeiter, die jahrelang am Empfang tätig waren, wechseln ins Back-Office, wo sie ihre Erfahrungen mit den Kunden sehr gut einbringen können. Viele Hotelketten bieten diese Art von Weiterbildung an. Und der Job erlaubt es auch, in vielen Ländern zu arbeiten.

In der Hotellerie ist Französisch wichtig, aber im vielsprachigen Luxemburg muss man mehrere Sprachen beherrschen. „Besonders wichtig ist Englisch, hier muss unbedingt nachgebessert werden“, beanstandet Koepp. Er fügt hinzu, dass in den vergangenen Jahren auch Deutsch wieder viel wichtiger geworden ist. Für ihn steht fest, „dass die Mehrsprachigkeit in den Luxemburger Schulen den Kindern später bei der Jobsuche zugute kommt!“

Edel-Job Concierge

Einer der bestbezahlten Jobs in einem Hotel ist der Concierge. „Er muss sehr gut über das Land, die Leute und die Stadt Bescheid wissen. Ein Concierge muss auch wissen, was die Kunden wollen, sobald er ihnen begegnet. Und wie er sie zufriedenstellen kann“, schildert Koepp. Solche „multi channel“-Leute findet man aber nur in den Vier- oder Fünf-Sterne-Hotels und im Luxussegment: „In anderen Hotels übernimmt der Besitzer diese Rolle.“

Gibt es genügend Hotels?

Laut François Koepp sind Experten des MICE-Tourismus der Ansicht, dass Luxemburg nicht über genügend Hotels verfügt, um Kongresstourismus anzuziehen. „In der Hauptstadt und der näheren Umgebung sind die Hotels bereits zu 60 Prozent pro Jahr mit Standardbuchungen belegt. In der Hauptstadt selbst gibt es knapp 3 850 Zimmer, sodass für Kongresstourismus noch knapp 1 500 Zimmer zur Verfügung stehen.

In verschiedenen Betrieben ist die Auslastung aber viel höher, sodass noch weniger Zimmer für Kongressteilnehmer bereitstehen. Hinzu kommt, dass die 60 Prozent Auslastung auf eine ganze Woche gerechnet werden, aber Businessleute vor allem in der Woche in Luxemburg sind, und wochentags kommen wir auf eine Auslastung von mehr als 90 Prozent. Mit 400 Zimmern kann man keinen großen Kongress veranstalten!“

Aus dieser Perspektive betrachtet, scheint es notwendig, mehr Hotels in Luxemburg zu errichten. „Einige Hoteliers sind jedoch nicht dieser Meinung“, erklärt Koepp, „andere aber sind überzeugt, dass mehr Zimmer vonnöten wären und diskutieren darüber, ob diese neuen Hotels eher im Vier-Sterne-Bereich oder im Fünf-Sterne-Luxussegment angesiedelt sein müssten.“